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“Dialog trifft Digital ganz Lokal” im AWO-Stratehaus von Lipperreihe

Frau Terschüren, von der lippischen Landes-Zeitung, hat ein schönes Interview mit den teilnehmenden Dörfern aus dem Kreis Lippe durchgeführt, wobei eindeutig festgestellt wurde, dass die Lipperreiher den Nutzen der Bürgerplattform (DorfPages) und der dazughörigen App (DorfFunk) am besten erkannt und umgesetzt haben. Hier der Bericht der LZ:

Lippische Landes-Zeitung 2020: Margret Vogt startet die App. Der erste Blick der 88-Jährigen geht zu den News: Das „Mahlzeit”-Team hat umorganisiert. Statt samstags „Essen in Gesellschaft” gibt es einen Eintopf im Schraubglas, den man sich nun auch in Lipperreihe holen kann. Keine Option für Margret Vogt. Die schaut lieber nach dem neuen Plausch.

Seit Januar nutzt die rüstige Rentnerin die „DorfFunk”-App. „Ich war skeptisch, ob ich mit einem Smartphone zurechtkomme”, erinnert sie sich. Dass Margret Vogt sich online über Neuigkeiten informiert und Blumenfotos vom Spaziergang funkt, verdankt sie den Lipperreiher Digital-Lotsen. Das sind Lernhelfer, die anderen zeigen, wie sie Smartphones und Co. nutzen können. Manuela Outiti ist Koordinatorin der Digitalisierung in Lipperreihe. Ihr Ziel: Digitalisierung lokal gestalten. „Nur eine Bürgerplattform einzurichten, reicht nicht. Es ist wichtig, Netzwerke aufzubauen, Vertrauen durch Beziehungen zu schaffen und kontinuierlich darauf hinzuarbeiten, dass jeder sich mit Inhalten beteiligen kann.” Schon von Berufswegen als Gesundheitsmanagerin, liegt Frau Outiti digitale Kompetenz vor allem im Bereich Gesundheit am Herzen. „Alles, was es ermöglicht, vor allem mit anderen in Kontakt zu bleiben, beugt in diesen Zeiten besonders Einsamkeit vor und fördert die Gesundheit”, sagt sie. Wenn mehr Bedarf, als an Online-Hilfestellung besteht, wird auch das organisiert – etwa durch fachliche Expertise bei Einsprüchen von Entscheidungen des Medizinischen Dienstes, der zur Zeit nur telefonisch agiert.

Für jedes Alter was dabei

Also in erster Linie ein Angebot für Senioren? Nein, sagen alle Beteiligten. Es geht darum, jedes Alter zu erreichen. Zur Kommunalwahl etwa wurde das Format „Statt Wahlkampf besser Wahlfairness” in Kombination mit der „Fairen Woche”, für fairen Konsum und faires Miteinander entwickelt. Erstwähler konnten die Kandidaten interviewen und Bürger erstellten vorab „Wahlprüfsteine”. Dabei wurde generationsübergreifend mit der Jugend ein Video produziert. Andere Altersgruppe, andere Formate. Um Ältere mitzunehmen, brauchte es Lernformate, die wegen der Pandemie umgestaltet wurden: Von der Lerngruppe zum Homeschooling. Burkhard Kleine ist einer von vier Lernbegleitern. „Es ist wichtig, digitale Lernangebote einfach zu gestalten, um weniger technikaffine Bürger mitzunehmen. Handgriffe müssen geübt werden.”

Je mehr teilnehmen, desto bunter und lebendiger wird es, wie die Lippi-/Oerlistein-Aktion zeigt. Bemalte Steine werden draußen ausgelegt, gefunden, fotografiert, in der App gefunkt und weitergetragen. Das Anschauen macht viele glücklich – analog und digital, weil es verbindet.

Extertal: „Corona hat uns ausgebremst. Eigentlich sollte die Website ,Extertal digital‘ eine Plattform sein, auf der sich Vereine mit ihren Aktionen präsentieren und Nachberichte sollen dokumentieren, was los war vor Ort”, erklärt Heino Rinne. Jetzt sei die Fantasie des 15-köpfigen Redaktionsteams gefragt. Rinne bietet z.B. in Extertal ehrenamtlich Termine an, an denen Gruppen Obst zu Saft pressen lassen können und alle über die Dorffunk-App informiert werden.

Dörentrup: Der „DorfFunk”hat aber nicht alle überzeugt. Dörentrups langjähriger Bürgermeister Friedrich Ehlert beispielsweise sieht das Angebot im Nachhinein eher kritisch. „Ich persönlich habe die App kaum genutzt. Sechzigjährige fühlen sich heute nicht mehr alt.” Sie stünden mitten im Leben und suchten eigene Kommunikationskanäle.

Barntrup: In Barntrup sollen App und Page im November starten. Aktiv dabei ist Silvia Genat. „Ich habe Spaß daran, Neues auszuprobieren”, erklärt die Schulleiterin. Sie wünscht sich einen Austausch auf Augenhöhe mit Respekt, der zu Diskussionen anregt. Sie selbst könne es kaum erwarten, sagt sie.

Information

3132 Nutzer

„DorfFunk” und „DorfPages” widmen sich der Frage: Was ist los in meiner Kommune? Initiator ist das Fraunhofer IESE, das das Projekt „Digitale Dörfer” drei Jahre lang betreut und wissenschaftlich auswertet. Neuigkeiten auf den „DorfPages”-Seiten landen automatisch in der verknüpften „DorfFunk”-App. Inhalte werden von ehrenamtlichen Mitarbeitenden generiert. Start war 2015 in Rheinland-Pfalz. In Lippe nehmen neun Kommunen teil, nun kommt Barntrup dazu. In ganz OWL sind es knapp 100 Kommunen. Lipperreihe mit seinen 3200 Einwohnern gehört zu den aktivsten „Funkern”. Sie wurden mehrfach ausgezeichnet. Die Zahl der Nutzer dort stieg seit Januar um das Doppelte auf gut 600 an. Das gilt auch für die Zugriffe auf die „DorfPage”, die bei 3568 liegen. In Lippe nutzen 3132 Bürger den „DorfFunk”.

Elisabeth Seibt ist es wichtig, im Ort auf kurzem Weg, digitale Hilfsmöglichkeiten zu erhalten und nutzt trotz Sehbehinderung die digitale Technik mit den Sprachassistentssystemen.
Kurz vor dem erneuten Corona-Lockdown schaffen wir es noch die pandemietaugliche Einrichtung der AWO, aus den eingeworbenen Fördermittel, gemeinsam zu besprechen.
Margret Vogt ist total begeistert, wie sie ihren Alltag mit dem Handy gestalten kann und bereut es nicht, sich mit 88 Jahren für die digitale Technik entschlossen zu haben.
Eberhard Spitzbart hat den kürzesten Weg in ganz Lipperreihe, um die digitalen Hilfs- und Lernangebote zu nutzen. Er bedauert es sehr, dass Corona das zur Zeit stark verhindert.
Von diesen Lipperreihern will sich keiner mehr von den neuen mobilen Möglichkeiten trennen.

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